Nachtrag zur MV

Es ist Fakt: Wolfgang Dietrich wurde am 9. Oktober von einer Mehrheit der anwesenden VfB-Mitglieder zum Präsidenten gewählt. Mit dieser Tatsache müssen wir nun leben, denn bei demokratischen Verfahren gilt nicht zu Unrecht derjenige als ein schlechter Verlierer, der das Wahlergebnis nicht anerkennt.

Dies heißt aber nun mitnichten, dass es nicht legitim wäre, den Weg zur verlorenen Abstimmung und ihren Verlauf zu hinterfragen.
Insbesondere sollten in einem offenen Wettstreit zumindest annähernd gleiche Startbedingungen herrschen und die Methoden im Wahlkampf ein Mindestmaß an Redlichkeit aufweisen. Was sich bei und im Vorfeld der diesjährigen Mitgliederversammlung ereignet hat, wurde diesen Grundsätzen nicht im Entferntesten gerecht.

Von Beginn an wollte Wolfang Dietrich spalten statt zu einen. Anstatt Unentschlossene mit Argumenten oder einem nicht vorhandenen Konzept zu überzeugen, malte er das jeder Grundlage entbehrende Schreckensbild eines von besoffenen Ultras geführten und im Chaos versinkenden Vereins an die Wand. Er trieb bewusst und gezielt einen Keil zwischen die Mitglieder, weil ihm klar war, dass seine Kandidatur aufgrund seiner Verwobenheit mit anderen Klubs vielen suspekt erschien und er deshalb nur durch die Verteufelung der angeblichen „Gegenseite“ ausreichend Stimmen für sich gewinnen konnte. Dieses Kalkül ging schließlich knapp und tatsächlich auf und so wählten sicherlich nicht wenige durchaus skeptische Mitglieder mit Dietrich das vermeintlich kleinere Übel – absurderweise ungeachtet der Tatsache, dass das projizierte Schreckensbild auf der Gegenseite gar nicht zur Wahl stand und die Ultras nie den Anspruch erhoben, einen der ihren zum Präsidenten zu machen.

Die Fürsprecher des Präsidentschaftskandidaten taten ihr Übriges und boten in ihren Redebeiträgen ein bizarres Bild: Leute, die auf die Bühne gehen, um ihr Hemd für Wolfgang Dietrich zu zerreißen. Ein Auftritt des Porsche-Betriebsrats Hück, für den das Wort Wahnsinn in seiner ursprünglichen Bedeutung erfunden worden zu sein scheint und der viele, die ihn ertragen mussten, noch in ihren Alpträumen verfolgen dürfte. Und nicht zuletzt Personen, die auf der Bühne lügen, dass sich die Balken biegen und dabei schlichtweg erfundene Geschichten erzählen, um das Schreckensbild der Ultras zu zementieren. Für keine dieser Methoden war sich das dem Kandidaten gewogene ­– und mutmaßlich in manchen Fällen dafür gut belohnte – Lager zu schade. Ebenso wenig, wie sich ein gewählter Dietrich selbst zu schade war, Gratulanten, die ihm kritisch gegenüberstanden, als „Drecksschwein“ zu titulieren.

Diese Umstände alleine hätten jedoch bei weitem noch nicht ausgereicht. Notwendig zur Wahl von Herrn Dietrich waren die Stimmen zahlreicher älterer, aus Unternehmenskreisen stammenden Mitglieder, die am Vereinsgeschehen insgesamt ganz offensichtlich weit weniger interessiert waren als an der Wahl ihres Präsidenten. Dieser Personenkreis in den vorderen Reihen wurde während der Versammlung mit Häppchen versorgt, während die restlichen Mitglieder sich den ganzen Tag über einem strikt überwachten Mitnahmeverbot und horrenden Preisen für Speis und Trank ausgesetzt sahen. Direkt nach der Abstimmung zur Wahl des Präsidenten waren weite Teile dieser Gruppierung verschwunden, ohne sich den noch folgenden wichtigen Themen und Abstimmungen zu widmen. Aus eben jenem weißhaarigen Klientel kam im Übrigen auch schon Stunden zuvor der erfolgreiche Antrag, die offene Aussprache als Herzstück der Mitgliederversammlung schon kurz nach ihrem Beginn abzubrechen. Hier konnte es sich zu Nutze gemacht werden, dass viele der anwesenden Mitglieder offenbar möglichst schnell nach Hause wollten.

Diesen Gefallen tat ihnen die Vereinsführung indessen nur bedingt. So wurde unmittelbar nach dem Abbruch der Diskussion eine 15-minütige Pause verkündet, die letztlich über 40 Minuten dauerte und auf die ein Interview folgte, in dem der neue Cheftrainer Hannes Wolf unter bereitwilliger Mithilfe des Moderatorenabklatschers Holger Laser auf die Bühne gezerrt wurde, um in einem ausgiebigen Smalltalk allerlei oberflächliche Fragen zur sportlichen Situation nach wenigen Tagen Amtszeit zu beantworten. Angenehmer Nebeneffekt: die unmittelbar vor Abbruch der Aussprache gestellten und zum Teil noch gänzlich unbeantworteten kritischen Fragen gerieten in den Hintergrund. Dass der Wunschkandidat der Vereinsführung einen Startvorteil genießt, mag nicht unbedingt überraschen. Dass die verantwortlichen Organisatoren aber bis in den Ablauf der Versammlung hinein in offensichtlicher Weise seine Kandidatur unterstützen und jede Unparteilichkeit vermissen lassen, ist skandalös.

Es darf darüber spekuliert werden, ob auch die Verlegung der Mitgliederversammlung in den Herbst der Hoffnung auf gut gelaunte Mitglieder bei einem zu erwartenden guten Zweitligastart entsprang. Fest steht zumindest, dass auch der Zufall seine Hände im Spiel hatte. Es wären wohl kaum 57 Prozent geworden, hätte die Versammlung statt nach einem 4:1-Sieg gegen Fürth nur eine Woche später nach dem 0:5-Debakel beim Aufsteiger in Dresden stattgefunden…

Alles in allem bleiben für uns von dieser Mitgliederversammlung neben ihrem traurigen Ergebnis und einer beschämenden Außendarstellung des Vereins vor allem die nicht hinnehmbaren Umstände im Wahlkampf und im Ablauf der Versammlung im Gedächtnis.

Demokratisch gewählt? – Ja. Demokratische Kultur? – Nein.

Für den Schlüssel zu echter Demokratie.
Gegen den Dietrich zur feindlichen Übernahme durch die Hintertür.

NEIN ZUM MONTAGSSPIEL IN BREMEN

FOOTBALL IS FOR THE WEEKEND

Stellungnahme zum geplanten Montagsspiel in Bremen

Die vorläufige Terminierung des Bundesligaspiels bei Werder Bremen durch die DFL auf einen Montagabend hat ein breites mediales Echo hervorgerufen und sorgt zu Recht für Empörung und Fassungslosigkeit unter den Beteiligten, aber auch darüber hinaus.

Diese absurde Spielansetzung ist die Spitze einer schon lange ablaufenden und in dieser Saison erheblich zugespitzten Entwicklung, nach der Faninteressen bei der Ansetzung von Bundesligaspielen keine Rolle mehr spielen und durch wirtschaftliche Motive vollständig untergraben werden. Schon die zusätzlichen Sonntagsspiele in der Rückrunde und die kurzfristigsten Spielansetzungen, die es in der Bundesliga bisher gegeben hat, waren in den vergangenen Wochen und Monaten ein Alarmsignal.

Ein Bundesligaspiel an einem Montagabend ist ein Novum und widerspricht dem Gedanken des Fußballs als Volkssport komplett. Für nahezu alle Personengruppen wie Arbeitnehmer, Studenten oder Schüler ist der Besuch eines Bundesligaspiels zu diesem Termin unmöglich oder nur mit einem sehr hohen und nicht mehr zu vertretendem Aufwand möglich. Das trifft natürlich erst recht und im Besonderen auf Auswärtsspiele zu.
Auch im Zuge der schon lange fortschreitenden Entwicklung der Zerstückelung der Spieltage mit dem schrittweisen Entfernen vom Stammtermin Samstag 15:30 Uhr waren Montagstermine in der ersten Liga bisher eine Schwelle, die aus gutem Grund nicht überschritten wurde.

Mit der Ansetzung des Spiels Bremen-Stuttgart am Montagabend demaskiert die DFL sich nun in beeindruckender Weise selbst.
Wenn die Bitte der Polizei, aufgrund der hohen Einsatzbelastung am Sonntag, 01.05. keine Bundesligaspiele auszutragen – ob nun gerechtfertigt oder nicht – als Begründung angeführt wird, wieso finden dann nicht einfach sieben statt fünf Spiele am Samstagnachmittag statt? Wenn der Wunsch nach einem erfolgreichen Abschneiden deutscher Vereine im Europapokal tatsächlich im Mittelpunkt steht, wieso legt man dann statt dem davon womöglich betroffenen Spiel zwischen Dortmund und Wolfsburg ein anderes Spiel auf einen Montag? Und wieso wählt man für den Montagstermin das Spiel mit der weitesten Anreise aus, wenn am selben Spieltag Spiele mit deutlich geringerer Entfernung und wenig Gästefans (Hoffenheim-Ingolstadt) anstehen?
Das Aufeinandertreffen zweier großer Traditionsvereine, noch dazu in einer sportlich interessanten Lage mit direkter Konkurrenz im Abstiegskampf, soll missbraucht werden, um eine möglichst hohe TV-Einschaltquote zu erzielen und so Argumente für das wirtschaftliche Potential eines neuen Regelspieltags am Montagabend ab der  Saison 2017/2018 zu liefern. Hierin liegt der wahre und einzige Grund für die Terminierung. Der Spieltag um den Ersten Mai liefert dabei ein willkommenes Bündel an vorgeschobenen Scheinargumenten für ein Montagsspiel, die das eigentliche Interesse kaschieren sollen – dies allerdings in so plumper und offensichtlicher Weise, dass am Verstand der Ligabosse ernsthaft gezweifelt werden muss.
Die Leidtragenden sind die Fans, die den eigentlichen Reiz des Erfolgsproduktes Fußballbundesliga ausmachen. Um dies den Verantwortlichen bei der DFL bewusst zu machen, ist es wichtig, Montagsspielen in der Fußballbundesliga von Beginn an entschlossen entgegen zu treten. Denn leere Stadien und Boykotte geben ein denkbar schlechtes Bild ab und wären auch den Funktionären ein Dorn im Auge. Ein Spieltag am Montagabend kann und darf im Sinne des Fußballs von uns Fans – egal in welcher Konstellation – niemals angenommen werden.

Keine Montagsspiele in der Bundesliga!
Football is for the weekend